„Tschungulung“ mischt mit

Als sich vor vier Jahren die internationale Theatergruppe „Tschungulung“ an der Kolping-Akademie in Würzburg gründete – Talente aus den Deutschsprachkursen hatten sich zum Theaterspielen zusammengefunden – ahnte niemand, wie schnell sich diese in Deutschland einmalige Formation durchsetzen würde. Nach Auftritten im Mainfrankentheater Würzburg und im Theater am Neunerplatz hat sich die Truppe inzwischen einen Namen gemacht. Sie ist bereits über die Grenzen Würzburgs hinaus gefragt und zu einem festen Bestandteil des bundesweit organisierten interkulturellen Herbstes geworden, der im Jahr 2009 unter dem Motto „Misch mit“ steht.

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Und Tschungulung mischt kräftig mit! Mit der in deutscher Sprache selbst geschriebenen Mafia-Komödie „Parole Eichhörnchen“ war Tschungulung die Attraktion der Eröffnungsveranstaltung in Ansbach unter Schirmherrschaft der Oberbürgermeisterin Carda Seidel. Nur einen Tag später stand die Truppe mit dem gleichen Stück in Schweinfurt auf der Bühne: Ein in die Jahre gekommener Mafia-Boss trommelt seine alten Kumpane aus allen Ländern der Welt noch einmal zusammen, um einen letzten großen Coup durchzuführen. Kann es aber funktionieren, wenn acht Mafiosi unterschiedlicher Kulturen und Sprachen - darunter auch Frauen (wo Überfälle doch Männersache sind) und eine Oma, die ihre Rente aufbessern will – effektiv und erfolgreich zusammenarbeiten sollen? Die Planung des Coups gerät dann auch zum Angriff auf die Lachmuskeln der Zuschauer und endet in einem nie da gewesenen Showdown!

In Würzburg stand ein neues Stück „Das ist wieder typisch“ auf dem Spielplan. Dieses als Workshop getarnte Stück bezieht die Zuschauer als unfreiwillige Akteure in das Theatergeschehen mit ein. Nur gemeinsam erreicht man das Ziel herauszufinden, was eigentlich typisch deutsch ist. Oder besser gesagt: Was die Deutschen denken, dass die anderen denken, was typisch deutsch ist. Auf die Spitze getrieben, wirken die Klischees zunächst erheiternd, regen aber auch zu ernsthaften Reflexionen an. Mit diesem Stück trat Tschungulung schon im Juli beim Interkulturellen Forum 2009 an der Universität Würzburg im Rahmen des GsIK Programms: „Globale Systeme und interkulturelle Kompetenz“ auf.

Den ersten Auftritt in diesem Jahr aber hatte Tschungulung in der Jugendbildungsstätte Unterfranken am Heuchelhof. Mit einigen Bühnen- und Filmszenen aus der Produktion „Warteschleife“, in denen unter anderem die Tücken der Bürokratie und die Absurditäten des Wartens auf Ämtern und Behörden auf den Arm genommen werden, gestaltete Tschungulung den „Überraschungsabend“ für die Teilnehmer an der Netzwerkfachtagung: „Professionnelle Wege zur interkulturellen Öffnung“. Hier entstand auch die Idee, verstärkt bei Schulungen und Seminaren aufzutreten, um den Input für eine effektive Arbeit in entspannter Atmosphäre zu gewährleisten. Ein ähnliches Ansinnen wurde später auch von Mitarbeitern der Universität und von Schulvertretern an Tschungulung herangetragen.

Eine wunderbare Perspektive für die Theatergruppe, auch weiterhin verstärkt mitzumischen, was aber für die zurzeit rund fünfzehn aktiven Mitwirkenden aus fast ebenso vielen Ländern unter der Leitung von Dr. Sigrid Mahsberg (Kolping-Akademie Würzburg) eine kaum zu bewältigende Herausforderung ist. Einige reisen zu den Proben, die einmal pro Woche für rund 3 Stunden stattfinden, aus dem Landkreis an, aus Nürnberg und sogar Prag. Da die meisten arbeiten oder studieren, haben sie jedoch nur begrenzt Zeit zur Verfügung. Um so höher ist das Engagement zu schätzen, das alle mitbringen.

Der nächste Auftritt ist auch schon geplant: im November beim Integrationsforum der Regierung von Unterfranken in Schweinfurt. Inzwischen beginnen die Vorarbeiten zu dem neuen Stück „Lampenfieber“, das Theater über das Theater auf die Bühne bringt.

Veröffentlicht: 05.10.2009 | Dr. Sigrid Mahsberg


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