Kolpingforum „Optimierung als Lebensprinzip – Vom Fegefeuer zur Bilanzrechnung“

Das Leben als Dauerworkshop: Warum der Mensch sogar Weihnachten am liebsten optimieren will – und die Enttäuschung am Schluss groß ist

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Der heutige Mensch ist ein zwanghafter Optimierer! Führte Prof. Dr. Bernd Halfar beim Kolping-Forum „Optimierung als Lebensprinzip – Vom Fegefeuer zur Bilanzrechnung“ anschaulich aus. Das Prinzip der Optimierung kommt aus der Wirtschaft, hat aber seit dem frühen Mittelalter immer mehr Einfluss auf das Privatleben der Menschen gewonnen.

Schon im Mittelalter begannen die Menschen, Zeit optimal einzuteilen oder zum Beispiel mit der Vorstellung vom Fegefeuer die Sünde zu optimieren. „Wer nicht gut oder böse war, war irgendetwas dazwischen“, so Halfar. „Der befand sich in eben diesem Fegefeuer und kam nicht in den Himmel oder in die Hölle“. Mittels Fürbitten, die man üblicherweise gegen Bezahlung für sich beten ließ, glaubte man, ohne großen Aufwand den Sprung in den Himmel zu schaffen. „Eine optimale Form, der Sünde zu entkommen“, so Halfar.

Heutzutage optimiert der Mensch fast seinen ganzen Lebensbereich. Sogar Weihnachten ist davon nicht ausgenommen. Die Besinnlichkeit müsse optimal sein, der Zeitpunkt der Bescherung, die Wahl welche Freunde man wann mit welchen Weihnachtskarten beglückt oder auch die Auswahl der Weihnachtsgeschenke. Irgendwann sei die Erwartungshaltung an sich selbst und alle anderen jedoch so groß, dass eigentlich nur noch Enttäuschung folgen könne. „Gerade an Weihnachten produzieren immer höhere Erwartungen Misserfolge, weil die Optimierung immer schwerer wird und dann meist auch nicht funktioniert“.
Viele Menschen befänden sich heute in einer Art „Leben als Dauerworkshop“, sagte Halfar, „Die Bedürfnisse sind höher als die zur Verfügung stehenden Mittel!“. Ständiger Optimierungswunsch bedeute auch ständige Unerreichbarkeit, die auf Dauer nur zu Frustration führen könne.

Dennoch gebe es Bereiche, die sich der Optimierung völlig entziehen: „Das sind die Liebe und der Glaube an Gott“. Liebe und Religion seien zweckfrei und deshalb auch nicht optimierbar. Dies gebe den Menschen Chancen, Ruhe zu finden in der endlosen Optimierungs-Spirale. „Wir sollten die Optimierungsprozesse in der Ökonomie lassen und unser Privatleben nicht davon bestimmen lassen“, schloss Halfar seinen Vortrag.

Veröffentlicht: 19.10.2009 | Klaus Hoffmann


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