Kolping-Frauentag 2010: Schule der Zukunft

Erst 1966 wurden Frauen im Kolpingwerk als Mitglieder zugelassen – heute sind sie nicht mehr wegzudenken. Das bestätigten an die 80 Frauen, die gemeinsam den 10. Frauentag des Kolpingwerk Diözesanverband Würzburg feierten.
Einen bunten Auftakt gestalteten Schülerinnen des Antonie-Werr-Zentrums mit einem Tüchertanz.
Nach einem Rückblick auf die letzten 10 Jahre mit vielen Fotos und Erinnerungen ging es um das Thema „Schule der Zukunft“.

Pressefoto

Frau Tolle (MdL) und Landtagspräsidentin Barbara Stamm zu Gast beim 10. Frauentag - hier werden sie von Frau Langer interviewt.
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Talkrunde mit Barbara Stamm und Simone Tolle
Petra Langer von der Hörfunkredaktion der Diözese Würzburg moderierte eine Talkrunde, zu der Frau Landtagspräsidentin Barbara Stamm und Simone Tolle (MdL, Mitglied des Ausschusses Bildung) als Politikerinnen eingeladen waren. Es wurden verschiedenste Problemstellungen von Kindergartenalter bis zur G8 diskutiert. Sieben Frauen, die auf unterschiedlichste Weise mit dem Thema Schule in Berührung sind brachten hierzu Fragen und Statements aus ihrer Sicht zur Sprache. Auch ein junger Mann mitten in der Frauenschar – der G8-Schüler Max Sauer (Bezirksleitung Kolpingjugend) brachte seine Perspektive zum G8 ein.
Zum Thema Kindergarten betonte Frau Stamm die Bedeutung von Sprachförderung und das Wissen darum, dass es mehr Personal in vorschulischen Einrichtungen braucht. Frau Tolle sprach sich für mehr Verfügungszeit für Vor- und Nachbereitung des Personals aus. Einig waren sich die Politikerinnen und die Anwesenden, dass es nicht darum gehen dürfe Kinder unter wirtschaftlichen Aspekten zu betrachten, sondern Talente entdeckt und gefördert werden müssen. Auch die Träger hätten Verantwortung für gelingende Arbeit in ihren Kindergärten.
Bezüglich der Klage einer Mutter, dass bereits in der Grundschule ein festgelegter Wortschatz in Englisch verlangt werde, was ihrer Ansicht nach nicht mehr mit einem spielerischen Spracherwerb vereinbar sei, möchte Frau Stamm nachhaken. Ebenso müsse in den nächsten Jahren darauf hin gearbeitet werden, dass die Klassen wieder kleiner werden.

Massiver Übergangsdruck
Viele Mütter berichteten von massivem Übergangs-Druck auf die Kinder in der 4. Klasse. „Mindestens auf die Realschule“ müssen es die Kinder schaffen – wobei hier eine Frau wohltuend für alle anführte, dass ihr Enkel mit einem guten Quali auch eine Lehrstelle als Systemelektriker finden konnte – manchmal sei ein guter Quali dann aussichtsreicher, als ein schlechter Realschulabschluss. Die Beratungsrektorin am Staatl. Schulamt Bad Kissingen, Frau Albert, sprach sich für die erfolgreich angebotenen Praxistage in Betrieben in Kooperation mit der Hauptschule aus. Auch die Leiterin der Kolping-Berufsschule in Würzburg Frau Pfeifer appellierte dafür Angebote zur vertieften Berufsvorbereitung wahrzunehmen – am Kolpingförderzentrum werden momentan gute Erfahrungen mit der Berufseinstiegsbegleitung (BEREB) gemacht, wo durch Sozialpädagogen eine Betreuung bis über die 9. Klasse hinaus erfolgt.
Frau Tolle warb für Gemeinschaftsschulen nach skandinavischem Vorbild, bei dem die Wege sich erst nach der 9. Klasse trennen – um die Durchlässigkeit des momentanen Schulsystems sei es nicht besonders gut bestellt, der Weg sei anstrengend und langwierig.

Das G8 kam zu schnell
Von der zeitlichen Belastung als G8-Schüler berichtete Max Sauer, der nächstes Jahr zum ersten Abiturjahrgang gehört. Er kritisierte die immense Stofffülle und die mangelnde Zeit der Lehrer für gute Vorbereitung. Für Freizeit oder Gruppenstunden für die Kolpingjugend bliebe ihm, aber auch vielen Gruppenstundenkindern nur noch der Samstag übrig. Positiv findet die G8-Lehrerin Frau Geiger, dass nun die mündliche Benotung mehr ins Gewicht fällt – so gibt es inzwischen auch mündliche Schulaufgaben. Die Einrichtung des 8-stufigen Gymnasiums kam laut Frau Stamm nur aufgrund einer sehr knappen Entscheidung zustande und es wurde  zu schnell mit der Umsetzung begonnen. Hier hätte man sich mehr Zeit lassen müssen, anstatt die Kinder als Versuchskaninchen ins Rennen zu schicken. Insbesondere bekräftigte sie, dass man nun bei der Lehrerbildung ansetzen müsse.
Die Diskussion war bunt und facettenreich – beide Politikerinnen betonten, dass sie es zu schätzen wissen die Probleme vor Ort live mitzubekommen und diese nun in ihre politischen Gremien einbringen werden.

Nach der Talkrunde war Zeit sich untereinander auszutauschen oder einen leckeren Kaffee - bereitgestellt vom Würzburger Partnerkaffee - zu genießen. Der Chor ‚Tonart’ aus Stetten begeisterte mit einem peppigen Mix an spirituellen Liedern. Mit einer Wortgottesfeier mit Pastoralreferentin Marion Mack endete der Frauentag. Die Kollekte ging an das Antonia-Werr-Zentrum in Schweinfurt und konnte vor Ort an die Gesamtleiterin Sr. Agnella Kestler übergeben werden. Mit zehn roten Rosen bedankte sich der Arbeitskreis Frauen bei der Diözesanvorsitzenden und Leiterin des Arbeitskreis Frauen Dorothea Schömig ohne die es die letzten zehn Frauentage so nicht gegeben hätte.

Der nächste Frauentag ist für den 19. März 2011 geplant.

Veröffentlicht: 03.03.2010 | Sylvia Christ


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