Landesversammlung tagte in Schweinfurt

Vom 23.- 24. April war die Landesversammlung des Kolpingwerkes Bayern zu Gast im Diözesanverband Würzburg. Getagt wurde im Kolping-Bildungszentrum Schweinfurt. Im Studienteil beschäftigt sich die Landesversammlung anlässlich des europäischen Jahrs zur Bekämpfung der Armut und sozialen Ausgrenzung mit dem Thema Armut.

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Am Ende der Diskussion verabschiedeten die Delegierten eine Erklärung: Landesversammlung des Kolpingwerkes fordert menschengerechte Balance zwischen Fordern und Fördern im Hartz IV System und den verstärkten gesellschaftspolitischen Dialog zum Europäischen Aktionsjahr in Bayern!

11% der Bevölkerung in Bayern unter Armutsgrenze
Am Ende seines geistlichen Einstieges zitierte der Schweinfurter Stadtpfarrer und Präses der örtlichen Kolpingsfamilie Roland Breitenbach in einer Geschichte die Frage an Gott, warum er denn bei allem Elend in der Welt nichts mache. Die Antwort Gottes in der Geschichte lautet: "Ich habe längst etwas getan, ich habe dich geschaffen."
Michael Kroll, Referent des Landescaritasverbandes in Bayern, berichtete anschließend, dass 11% der Bevölkerung in Bayern unter der Armutsgrenze leben. Allein 12,5% davon sind unter 25 Jahren, 18% zwischen 65 und 80 Jahren. Armut nannte er in seinem Vortrag als einen "Verstoß gegen die Würde des Menschen". Vor allem nach einer Trennung, Menschen mit Migrationshintergrund, längere Zeit in Arbeitslosigkeit, Jugendliche zwischen 15-25 Jahren, Kinder und ältere Menschen sind nach Erfahrung der Beratungsstellen der Caritas in Bayern heute von Armut bedroht und suchen die Beratungsstellen auf. An einigen konkreten Beispielen stellte er die Konsequenzen von Armut für die Betroffenen vor. Kritisch sieht er mit seinem Verband die Regelungen für Jugendliche, die von Hartz IV betroffen sind. Die Sanktionierungen werden bei Jugendlichen schärfer und häufiger angewandt. "Hartz IV treibt Menschen in Armut". Der Regelsatz reiche nicht aus, um ein Leben mit kultureller Teilhabe zu führen.

Groß- und Mehrlingsfamilien unterstützt
Sabine Weingarten, Familienreferentin des Kolpingwerkes in Bayern, betreut 650 Groß- und Mehrlingsfamilien in Bayern. Bei 11 Erholungsaufenthalten in Kolping-Ferienstätten, mit 4 Bildungswochenenden, bei Projekten oder Tagesveranstaltungen bietet sie den Familien und Alleinerziehenden mit mindestens 5 Kindern oder Drillingen und Vierlingen wertvolle Hilfen. Im vergangenen Jahr konnte Weingarten noch viele Familien beim dringenden Erholungsaufenthalt mit Mitteln aus einem Zuschuss des Überdiözesanen Fonds der Bistümer in Bayern unterstützen. Leider ist dies dieses Jahr nicht mehr möglich, da der Zuschuss gestrichen wurde.

Situation an Adolph-Kolping-Schule in Schweinfurt
Anette Derleder, Sonderschullehrerin an der Adolph-Kolping-Schule in Schweinfurt, berichtet, dass 78 % der Schüler in der Berufsvorbereitung in Hartz IV Bedarfsgemeinschafen leben. 27 % der Jugendlichen ohne Ausbildungsplatz sind körperlich vernachlässigt. Dennoch haben die Schüler Angst vor Stigmatisierung. Ein kostenlos angebotenes Pausenfrühstück wurde aus diesem Grund von den Schülern nicht angenommen. Die 100 Euro Schulgeld wird bei den meisten Betroffenen aus der häuslichen Notlage für den laufenden Haushalt oder für notwendige Anschaffungen verwendet.

33% mehr Schuldnerberatung in Schweinfurt
Kolping ist in der Stadt und im Landkreis Schweinfurt Träger der Schuldnerberatung. Maria Kraft und Miriam Ofen berichteten von den Erfahrungen. Seit der Übernahme 2005 ist die Zahl der Klienten um 33% gestiegen. Davon ist bei den unter 29jährigen ein Zuwachs von 40% zu verzeichnen. Auch ältere Menschen nehmen verstärkt das Angebot der Schuldnerberatung in Anspruch.

Diskussion über weitere Hilfen
Bei der anschließenden Diskussion, die von Thomas Jablowsky vom Landeskomitee der Katholiken in Bayern moderiert wurde, stellten die Delegierten auch andere Hilfen von Kolping für Menschen in Armut vor. Mit einer Solidaritätskasse für arme Familien, mit Aktionen vor Ort, mit Stiftungen und vielem mehr helfen sie den Menschen.


Ein humorvoller Beitrag der Hans-Sachs-Gruppe der Kolpingsfamilie Schweinfurt sorgte für Kurzweil am Abend. Zur Verabschiedung der Landesvorsitzenden Marianne Dürmeyer führten Frauen aus dem Diözesanverband Würzburg zudem eine heitere Litanei auf. Vielen Dank an alle, die mitgewirkt haben, dass die Landesversammlung gut gelingen konnte.

Veröffentlicht: 27.04.2010 | Sylvia Christ

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Erklärung Bekämpfung von sozialer Ausgrenzung und Armut (16 KB)

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