Drei Jahre und einen Tag…
so lange wird Tom Kießling seiner Heimat nicht näher kommen als 50 Kilometer, der sogenannten Bannmeile. Ganz freiwillig und ganz ernsthaft. Tom ist fest entschlossen nach seiner Zimmermannslehre auf die Walz zu gehen und die Regeln, denen er sich damit unterwirft haben Tradition.
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„Wie kommt man darauf“, frage ich ihn. „Durch die Wandergesellen, die ab und zu im Kolpinghaus Würzburg Station machen und eine oder zwei Nächte bleiben.“ Da wurde er neugierig und hat sie angesprochen. Mit einigen habe er sich gut verstanden und ist am Abend mit Ihnen weg gegangen. So ist der Entschluss gereift selber die Welt als Wandergeselle zu erkunden - auf der Walz.
In den letzten beiden Lehrjahren hat Tom während seiner Blockschulzeit in der Berufsschule oder den Ausbildungsabschnitten in der Zimmererinnung im Kolpinghaus Würzburg gewohnt. Er fand diese Zeit gut. „Die Betreuer dort waren okay!“ Nur die Ausgangszeiten fand Tom „ein bisschen konservativ.“
Jetzt freut sich Tom einfach darauf, die Welt zu sehen und sein fachliches Wissen zu erweitern. „Es gibt regionale Unterschiede in der Ausführung von Zimmererarbeiten. Da kann man unheimlich viel lernen.“ Später will er auch im deutschsprachigen Ausland arbeiten, Schweiz und Österreich. „Da sind deutsche Wandergesellen gern gesehen“, sagt er. Sogar nach Kanada will er. Da hat er Verwandtschaft. Aber der eigentliche Grund ist der Blockhausbau dort. Diese Hausbautechnik mit Baumstämmen interessiert Tom ganz besonders.
„Ist es nicht hart, so lange nicht heim zu kommen?“ Und „wie ist das mit der Familie?“ frage ich ihn. „Man kann Weihnachten woanders feiern“, sagt er. „Man trifft sich zum Beispiel im Allgäu. Das ist schon okay. Wenn man sich sehen will, müssen die anderen eben hinterher reisen.“
Eine Freundin hat Tom derzeit nicht. Das verträgt sich dann wohl doch nicht mit der Walz und einer weiteren Regel: Dem Handy-Verbot. Gereist wird zu Fuß oder per Anhalter. „Öffentliche Verkehrsmittel sind verpönt bei den Wandergesellen“, erzählt Tom. Ganz auf sich allein gestellt will Tom aber nicht starten. Es gibt Vereinigungen, Schächte, denen man sich als Wandergeselle anschließen kann. Die bieten dann auch Hilfe mit Rat und Tat. „Einer der bereits auf Wanderschaft ist, holt den Neuen von zu Hause ab und hilft ihm, sich in der Anfangszeit an die Straße zu gewöhnen.“ Dieser Mentor bringt dem Neuen zum Beispiel den Spruch bei, mit dem um kostenlose Unterkunft gefragt wird. Dabei wird mit einem knorrigen Wanderstock auf den Boden geklopft.
Wo kriegt man diesen Stock eigentlich her, frage ich. „Der Stenz. So heißt der. Den sucht man nicht, den findet man. Natürlich im Wald“, erklärt Tom.
Lieber Tom, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vom Kolpinghaus wünschen Dir für die Zeit Deiner Walz alles Gute und viel Erfolg!
Veröffentlicht: 17.06.2010 | Oliver Rempel








