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3 Fahrzeuge, 9 Personen und…

Der 29. Hilfstransport der Kolpingsfamilie Stadtlauringen für Rumänien und die Ukraine - Reisebericht …

3 Fahrzeuge, 9 Personen und 31,5 Tonnen Spendengüter

Der 29. Hilfstransport der Kolpingsfamilie Stadtlauringen für Rumänien und die Ukraine - Reisebericht

Samstag, 20.9.2025 – Verabschiedung

Zahlreiche Freunde und Verwandte fanden sich um 7.30 Uhr in der Allee in Stadtlauringen ein, um der Verabschiedung des 29. Hilfstransports beizuwohnen. Nach einer kurzen Begrüßung bedankte sich der Sprecher des Rumänienarbeitskreises Werner Steinruck bei allen Spendern und Helfern, die diesen Transport möglich gemacht haben und schilderte den geplanten Reiseverlauf und die Abladestationen. Mit einem von Pfarrer Eugen Daigeler angestimmten Marienlied und Worten aus der heiligen Schrift verabschiedete uns der Pfarrer mit dem Reisesegen.

Mit den Lkw der Deutschen Post AG/DHL, Kitzingen und der Spedition Schodorf, Schweinfurt, sowie dem Bürgerbus „Sparkassenbus“ des Markt Stadtlauringen mit Anhänger von Thomas Mohr starteten wir. Die Lkw lenkten Ottmar Lamprecht aus Mainstockheim und Alexander Rheude aus Waigolshausen, sowie Burkhard Schodorf aus Seubrigshausen und Guido Jäger aus Stadtlauringen. Im Bürgerbus fuhren Werner Steinruck, Franz-Josef Heusinger, Matthias Schmitt, Josef Schmitt und Georg Tobie. Die Ladung bestand aus zwölf Tonnen Nudeln, sechs Tonnen Kindernahrung, fünf Tonnen Konfitüre, zwei Tonnen Sauerkonserven und 800 kg Kartoffeln. Weiter waren Süßigkeiten, Hygieneartikel und medizinische Artikel, Stromerzeuger und Batterien, Tische und Stühle, Rollstühle und Gehhilfen, sowie Fahrräder auf den Lkw verstaut. Um die Transportkosten für Kolping Rumänien zu sparen, hatten wir auch wieder 700 kg Rohkaffee aus Honduras dabei. Außerdem konnten wir unsere Partner in Rumänien und der Ukraine wieder mit einem nennenswerten Geldbetrag unterstützen. Die erste Etappe unserer Fahrt führte bis zum Hotel „Paprika“ in Hegyeshalom in Ungarn.

Sonntag, 21.9. – Panne in Ungarn

Die Weiterfahrt durch Ungarn wurde ca. 30 Kilometer vor Budapest jäh gestoppt. Wir waren seit Stadtlauringen 850 km gefahren, da wurde innerhalb weniger Sekunden der Motor vom Bürgerbus heiß und hatte keine Leistung mehr. Zu allem Übel passierte dies auch noch in einer Baustelle in der kein Seitenstreifen war. Gott sei Dank standen wir an einer übersichtlichen Stelle. Wir haben dann mehrere Flaschen von unserem Mineralwasser in den Kühler gefüllt; aber das Wasser lief sofort wieder weg. Offensichtlich war der Kühler oder ein Schlauch undicht. Wir standen ungefähr zehn Minuten als wie durch ein Wunder ein Abschleppdienst kam und uns zur einen Kilometer entfernten Tankstelle schleppte, wo unsere Lkw-Fahrer warteten. Wie wir später erfuhren, wurde dieser sehr stark befahrene Autobahnabschnitt per Video kontrolliert. Deshalb war das Abschleppunternehmen so schnell da. Der Fahrer des Abschleppdienstes sagte, dass er eine Werkstatt wüsste, die auch heute am Sonntag arbeitet. Also wurde der Gemeindebus aufgeladen und zu der gut 40 km entfernten Werkstatt nach Tata gebracht. Tata lag in der entgegengesetzten Richtung. Guido und Werner fuhren mit. Der Anhänger mit dem Kaffee und Erwachsenen-Windeln blieb auf dem Parkplatz zurück. Wir baten den Tankwart darauf aufzupassen.

In Tata sah sich der Monteur den Schaden an und meinte, dass er das Auto bis heute Abend 18.00 Uhr reparieren könne: Kosten 650 € plus 27% Mehrwertsteuer. Er fing sofort mit dem Ausbau des Kühlers an. Inzwischen haben wir, Guido und Werner in einem chinesischen Schnellimbiss im benachbarten Supermarkt zu Mittag gegessen. Zurück in der Werkstatt bekamen wir mitgeteilt, dass die Reparatur bis morgen früh um 11.00 Uhr dauert, weil ein neuer Kühler erst am Morgen besorgt werden kann. In der Werkstatt lernten wir Mirella Groo kennen, deren Auto einen Kupplungsschaden hatte und ebenfalls hier repariert wurde. Sie war auf der Rückreise von Radna in Rumänien nach Ingolstadt. Ihr Haus in Radna ist nur wenige Häuser von der Praxis von Simona Bandici, die wir ja auch besuchen entfernt. Sie kennt Simona auch, wie sie sagte. Übrigens, ihr Auto wurde am Sonntagabend noch fertig.

Der andere Teil unserer Truppe war inzwischen bis Budapest gefahren. Zunächst war geplant, dass sie dort auf uns warten sollen, da sich die Reparatur aber verzögerte beschlossen wir, die beiden Lkw weiter nach Deva fahren zu lassen, damit wir den Zeitplan einigermaßen einhalten konnten. Das Problem dabei war, dass sich sieben Personen in den Fahrzeugen befanden, aber eigentlich nur Platz für vier war. So erklärte sich Matthias bereit hier zu bleiben. Er nahm die Gelegenheit wahr und besichtigte die schöne Stadt an der Donau.

Guido und ich verbrachten dann den Nachmittag und die Nacht im Hotel Oreg-To in Tata. Das Hotel war zwar in einem sehr schönen Naherholungsgebiet in der Nähe eines großen Sees gelegen, aber Urlaubsstimmung kam bei uns nicht auf.

Unsere beiden Lkw konnten die Grenze nach Rumänien problemlos überqueren und erreichten am Abend das Kinderheim der Stiftung „Hl. Franziskus“ in Deva, wo sie von der Leiterin des Heimes Noemi Papai und Pfarrer Janos Toth aus Cristur empfangen wurden. Wegen des Beitritts Rumäniens zum Schengen-Raum wurden an der Grenze keine Kontrollen mehr durchgeführt, was wegen der Anzahl der Personen in den Lkw sicherlich zu Problemen geführt hätte - aber darüber wollen wir im Nachgang nicht weiter nachdenken.

Montag, 22.9. – Hilfsgüter für das Kinderheim in Deva und für die Ukraine

Am Morgen wurden die Spenden für das Kinderheim abgeladen. Dabei lernten sie auch die neue Leiterin des Heims Noemi Papai kennen, die früher als Kind selbst im Heim untergebracht war.  Danach fuhren beide Lkw zum Kolping-Zwischenlager für die Ukrainehilfe nach Oituz.

Währenddessen in Tata: Guido und Werner fuhren am Morgen zur Werkstatt. Der Mechaniker hatte den neuen Kühler schon eingebaut und ließ den Motor warm laufen. Doch trotz des neuen Kühlers funktionierte der Motor nicht richtig. Der Monteur meinte, dass im Kühlkreislauf ein erhöhter Druck ist. Wahrscheinlich ist durch die Überhitzung auch noch ein Schaden am Motor entstanden, den er nicht reparieren könne. Jetzt nahmen wir Kontakt mit dem ADAC auf um den Rücktransport des Busses nach Hause und unsere Weiterfahrt zu organisieren. Nach mehreren Telefonaten hat der ADAC den Rücktransport des Bürgerbusses bestätigt. Einen Leihwagen für die Weiterfahrt konnten sie leider nicht organisieren. Inzwischen hat auch Matthias in Budapest versucht einen Mietwagen mit neun Sitzplätzen zu bekommen, was wegen der sehr hohen Mietkosten, dem Grenzübertritt nach Rumänien und der zu zahlenden Kaution scheiterte. Gegen 16.25 Uhr erreichte uns die Nachricht, dass uns der Geschäftsführer von Kolping Rumänien Eduard Dobre abholen will. Er kam aus Timișoara – einfach 380 km!! Inzwischen machte sich Matthias mit dem Zug auf den Weg von Budapest nach Tata. So gegen 21.00 Uhr haben wir das ganze Gepäck vom Bürgerbus in den Kolping-Transporter geladen und haben auf dem Parkplatz wo unser Anhänger stand, auch noch den Kaffee umgeladen. Gegen 3.00 Uhr (rumänischer Zeit) erreichten wir das Kolpinghaus in Timișoara.

Beim Kolping-Zwischenlager für die Ukraine in Oituz begann das Ausladen um 17.30 Uhr. Dazu stand ein Gabelstapler schon bereit. Corneliu hatte wieder eifrige Helfer und Volontäre engagiert, sodass der komplette Sattelschlepper mit unserer tatkräftigen Unterstützung in eineinhalb Stunden entladen war. Von Oituz aus werden die Spendengüter mit Kleintransportern nach Czernowitz in die Ukraine gebracht. Die erste Fahrt war für nächsten Montag geplant, worauf ich am Ende meines Berichtes noch näher eingehen werde. Nach dem Abladen durfte die „Lkw-Truppe“ - das waren Franz-Josef Heusinger, Josef Schmitt, Georg Tobie, Ottmar Lamprecht, Alex Rheude und Burkhard Schodorf - im Kolpinghaus zu Abend essen. Dort wurden sie auch mit dem „Nötigsten“ ausgestattet. Weil das ganze persönliche Gepäck im Bürgerbus war, bekamen alle Zahnbürsten und Zahnpasta, sowie Kolping-T-Shirts. Im Hotel „Hanul Marisano“ in Onesti übernachteten sie.

Dienstag, 23.9. – endlich sind wir wieder zusammen

Die sechs „Lkw-Fahrer“ machten sich auf den Weg nach Sibiu. Auf halber Strecke machten sie Halt in Nußbach, einem kleinen Dorf nördlich von Brașov/Kronstadt. Nußbach ist das Heimatdorf von unserem Mitfahrer Georg Tobie. Das Elternhaus ist noch in seinem Besitz. Es wird von einer Frau bewohnt, die das Anwesen in Schuss hält. Sein ehemaliger Nachbar, der in der Zwischenzeit auch in Deutschland wohnt, war zu der Zeit auch zum Heimatbesuch bei Verwandten in Nußbach. So entwickelte sich ein netter Austausch. In der Zwischenzeit leben nur noch vier (!!) deutschstämmige Familien im Ort, der früher fast ausschließlich von Deutschen bewohnt war. Einige Häuser sind verwaist und stehen leer, andere wurden von Roma aufgekauft; nicht immer zur Freude der einheimischen Bevölkerung. Am frühen Abend erreichten sie Sibiu.

Nach einem guten Frühstück mit „Fair-Trade-Kaffee“ aus Honduras im Kolpinghaus in Timișoara durfte sich die „Bürgerbus-Truppe“ mit dem Kolping-Bus auf den Weg nach Sibiu machen. Der Bus stand uns jetzt für die ganze Woche zur Verfügung. Damit wurde der Slogan – „Kolping - eine Weltfamilie“ – für uns zur großen Hilfe - Danke!!. Am Nachmittag erreichten wir das Seniorenheim „Dr. Carl Wolff“ in Sibiu, wo wir übernachten konnten. Da unsere Lkw-Fahrer noch nicht da waren, brachten wir zunächst das ganze Gepäck auf die Zimmer und fuhren zum Abstellplatz für unsere beiden Lkw. Der Parkplatz lag direkt neben dem Kinderhaus des Vereins „Kinderhilfe Siebenbürgen e.V.“ von Jenny Rasche. Als unsere sechs Kollegen gegen 17.30 Uhr ankamen war die Wiedersehensfreude sehr groß. Endlich waren wir wieder zusammen. Am Abend speisten wir in einem Restaurant in der Altstadt von Sibiu. Danach sahen sich einige unserer Truppe noch die wunderschöne Stadt an. Als wir zu später Stunde wieder zurück ins Seniorenheim kamen, saß die Leiterin der Einrichtung Frau Rhein immer noch an ihrem Schreibtisch.

Mittwoch, 24.9. – Seniorenheim mit Kinderhospiz und Kinderhilfe Siebenbürgen e.V.

Das Frühstück konnten wir im Speisesaal des Seniorenheims einnehmen. Danach wurde Ausgeladen. Lebensmittel, Windeln und Hygieneartikel wurden in eine Garage gebracht. Danach fuhren wir wieder zum Abstellplatz für die Lkw nach Șelimbăr (Schellenberg), einer Vorstadt von Sibiu um die Spendengüter für den Verein von Jenny Rasche abzuladen. Dazu waren einige Helfer gekommen. Die Sachen mussten aber ein Stück getragen werden, da wir mit dem Lkw nicht bis zum Haus fahren konnten. Aber mit vereinten Kräften ist es doch relativ zügig gegangen. Zur Erfrischung bekamen die Helfer eine Limonade, die wir von einem Sponsor erhalten hatten. Zum Abladen war auch Jenny gekommen. Sie hat uns über die Probleme, die sie mit den Kindern hat erzählt. Jenny nimmt beispielsweise auch Kinder von der Straße auf, die besonders schwierig sind und durch jedes Raster fallen. Für sie ist Jennys Verein buchstäblich die letzte Chance auf ein normales Leben. Sie erzählte z.B. von einem 14-jährigen Jungen, der des Mordes an einem Schäfer angeklagt werden soll. Jenny vermutete, dass die Tat dem Jugendlichen in die Schuhe geschoben werden soll, weil er noch nicht voll strafmündig ist. Oder von einem Kind, das jahrelang auf der Straße gelebt hat, und das sich erst einmal an das Schlafen in einem geschlossenen Raum und in einem Bett gewöhnen musste.

Am späten Nachmittag machten wir uns auf den Weg nach Petroșani. Um Kosten zu sparen, stellten wir den leeren Sattelschlepper der Fa. Schodorf-Transporte in Cristur vor dem Pfarrhaus von Pfarrer Janos Toth ab. Gegen Abend kamen wir beim Kinderheim der Stiftung „Hl. Franziskus“ in Petroșani an. Von der Leiterin Andrea Lönhárd und ihrem Mann Gusti, der auch Hausmeister im Heim ist, wurden wir herzlich begrüßt. Jetzt am Abend waren nur ihre beiden eigenen Kinder, und die fünf Kinder hier, die Andrea und Gusti in ihre Familie aufgenommen hat. Die Kinder die hier in den Kindergarten, bzw. zur Schule gehen kamen erst am nächsten Morgen. In acht Klassen werden die Kinder betreut und unterrichtet. Sie bekommen im Haus auch ein Mittagessen und am Nachmittag ist für die Betreuung bei den Hausaufgaben gesorgt.

Donnerstag, 25.9. – Geburtstagsparty im Kinderheim

Beim Ausladen des Post-Lkw halfen erneut viele Kinder begeistert mit. Hand in Hand wurden Lebensmittel und Schulsachen in den Keller des ehemaligen Klosters gebracht. Nach getaner Arbeit bekamen die Helfer auch hier Süßigkeiten und Limonade. Besondere Begeisterung kam auf, wenn Josef seine kleinen Schätze ausgepackt hat. Er hat immer einige Kartons mit kleinen Spielsachen, oder auch ein paar Mützen und Bälle für die Kinder dabei.

Danach fuhren wir nach Lupeni im Schiltal. Obwohl in den Städten im Schiltal Vulcan, Lupeni und Uricani über 45.000 Menschen leben, hat man den Eindruck als würde hier die Welt aufhören. Die Straßen werden schlechter, die Industrieanlagen sind baufällig und auch bei den Häusern bröckelt der Putz. Es wird zwar auch hier gebaut und renoviert, aber das Gesamtbild, das die ehemalige Bergbauregion bietet ist traurig. Dabei war der Bergbau in dieser Region einmal das Vorzeigeprojekt von Diktator Nicolae Ceaușescu. Im Westen des Schiltals endet die Straße in dem bekannten Nationalpark Retezat, der seit 1979 teilweise auch als Biosphärenreservat der UNESCO ausgewiesen ist.

Zum Büro des Deutschen Forum Lupeni kann man wegen der zu niedrigen Gasleitungen nicht mit einem großen Lkw fahren. Da unser Anhänger noch in Ungarn stand, haben wir, nachdem wir zuvor unser persönliches Gepäck aus dem Kolping-Bus ausgeladen hatten, die Spendengüter bis vor den Eingang des Wohnblocks gefahren, um sie dann in das Büro im ersten Stock zu bringen. Dabei kamen alle kräftig ins schwitzen, weil diesmal nur wenige Helfer da waren. Auch die Lebensmittel für den kath. Pfarrer Rusti mussten wir in den Kolping-Bus umladen. Sie wurden in einem Nebenraum in der Kirche eingelagert. Pfarrer Rusti erläuterte uns anschließend welche Probleme er in der Pfarrei hat. Eine große Aufgabe für die Kirchengemeinde ist die Renovierung und der Unterhalt des Gotteshauses. Zu diesem Zweck übergaben wir ihm auch eine Geldspende. Da für die Instandsetzung des Pfarrhauses und einer ehemaligen Schule nebenan kein Geld da ist, sollen beide Gebäude verkauft werden. Pfarrer Rusti wohnt in einer Mietwohnung in der Stadt. Er braucht kein großes Pfarrhaus, sagt er. Getroffen haben wir auch den ehemaligen Küster Imre Szegely. Da auch er alleine lebt und keine große Rente bekommt, wird er vom Pfarrer unterstützt. Nachdem die Arbeit getan war, gingen wir mit der Vorsitzenden des Deutschen Forum Heidi Duma und der Sekretärin des Forums Reghina Hatfaludi essen. Aufgrund der Altersstruktur der Mitglieder, wird das Ortsforum Lupeni immer kleiner. Wie Heidi erzählte wurde jetzt auch die evangelische Kirche an die Pfingstgemeinde verkauft. Die Gläubigen müssen jetzt - soweit sie noch können - in Petroșani die heilige Messe besuchen.

Zurück in Petroșani blieb uns noch etwas Zeit zum Entspannen oder für einen kurzen Stadtrundgang, bevor eine große Geburtstagsparty begann. Die Tochter von Andrea Hanna wurde nämlich sieben Jahre alt, und das wurde selbstverständlich groß gefeiert. Alle Verwandten und Freunde, die Pflegekinder und wir waren eingeladen. Selbstverständlich hatten wir auf dem Rückweg von Lupeni noch schnell ein Geschenk besorgt. Der Raum im Keller des Hauses war mit rosaroten Luftballons und Lichterketten geschmückt. Hanna und ihre Schwester Viktoria saßen am bunt dekorierten Tisch in der Mitte des großen Raumes. Es gab leckeres Essen, Nachtisch und eine große Geburtstagstorte mit Kerzen. Ungarische und englische Partymusik sorgte für eine ausgelassene Stimmung. Vor allem Gusti war der Anheizer, der Alle zum Mitmachen animierte. Da wir am nächsten Morgen wieder zurück fahren mussten, wurde der Abend für uns nicht so lang. Aber Gusti feierte mit seinen Gästen bis spät in die Nacht; da waren Hanna und Viktoria aber schon lange im Bett.

Freitag, 26.9. – Kurze Begegnung mit Pfarrer Janos Toth

Die Rückfahrt der mit dem Bürgerbus Gestrandeten stand für 13.00 Uhr in Timișoara an. Deshalb machten wir uns schon früh auf den Weg. Zunächst fuhren wir mit dem Kolping-Bus und dem Post-Lkw noch zusammen, aber da die Zeit drängte, fuhren wir mit dem Kolping-Bus schon voraus nach Cristur. Dort übergaben wir Geldspenden und Messstipendien an Pfarrer Janos Toth und luden ihn zu unserem Jubiläumstag nach Stadtlauringen ein. Inzwischen waren auch die anderen mit dem Post-Lkw eingetroffen. Wir luden das persönliche Gepäck, für das im Fahrzeug der rumänischen Spedition kein Platz war, vom Kolping-Bus in die Lkw um und verabschiedeten uns von Pfarrer Janos und unseren Lkw-Fahrern. Ab jetzt waren wir wieder in zwei, eigentlich drei getrennten Gruppen unterwegs. Matthias hatte sich nämlich entschlossen noch eine Woche Urlaub in Rumänien zu verbringen. Wir ließen ihn in Deva aussteigen, wo er mit einem Bus nach Sibiu fuhr. Die anderen - Franz-Josef Heusinger, Josef Schmitt, Georg Tobie und Werner Steinruck fuhren mit dem Kolping-Bus weiter nach Timișoara, wo wir auf unseren Fahrer, der uns zurück nach Deutschland bringen sollte warteten. Im dortigen Kolpinghaus gaben wir den geliehenen Bus zurück und bedankten uns bei Eduard Dobre, der auch unsere Rückreise organisiert hatte. Zu unserer Überraschung bekam jeder während der Wartezeit auch noch ein warmes Mittagessen und eine Tüte vom Kaffee aus Honduras, den wir im vergangenen Jahr mitgebracht hatten. Gegen 13.30 Uhr war unser Fahrer mit einem VW Sharan mit Anhänger da und wir machten uns auf den Heimweg. Auf dem Autobahnparkplatz „Orlen“ in Ungarn haben wir unseren Anhänger auf den Anhänger unseres Chauffeurs geladen. Was zunächst recht einfach schien, war doch eine größere Aktion, bei der zwei zufällig auf dem Rastplatz anwesende Abschleppunternehmen geholfen haben. Mit einer Winde und vereinten Kräften gelang es den Anhänger aufzuladen. Weiter ging die Fahrt durch die Slowakei und Tschechien Richtung Deutschland. An einer Tankstelle in der Slowakei legten wir eine größere Pause ein. Im Grill „Route 63“ gab es leckeres Essen zu sehr günstigen Preisen im „American-Style“. Neben etlichen kleineren Halten zum Tanken und Getränke kaufen machten wir nur eine weitere größere Pause in der wir und der Fahrer geschlafen haben. Es waren ungefähr eineinhalb Stunden, die sich der Fahrer erholen konnte.

Die „Lkw-Truppe“ Ottmar Lamprecht, Alex Rheude, Burkhard Schodorf und Guido Jäger haben in Cristur ausgeladen und - leider in einer sehr kleinen Runde - Gottesdienst gefeiert. Nach dem Mittagessen fuhren sie nach Lipova zur Ärztin Simona Bandici. Für sie hatten sie einige Kartons mit Medikamenten dabei. Auch einige Pakete für bedürftige Familien in Lipova, die uns die Kolpingsfamilie Thundorf mitgegeben hatte, wurden abgeladen.

Samstag, 27.9. – Nonstop nach Hause

Zum Frühstück waren sie bei Simona und Johann Bandici. Im Hotel gab es wegen einer privaten Feier an diesem Tag keines. Danach begann die Rückreise für die „Lkw-Truppe“. Zu Aller Erstaunen war am Grenzübergang zum ersten Mal kein Lkw-Rückstau. Wie bereits erwähnt waren die Grenzkontrollen wegen des Beitritts Rumäniens zum Schengenraum komplett weggefallen. Die Fahrt zur letzten Übernachtungsstation in Böheimkirchen in Österreich wurde nur durch einen Stau auf der Autobahnumfahrung von Budapest gebremst. Die Einkehr am Abend in der Gaststätte „Bachschenke“ in Kasten durfte nicht fehlen, zumal wir dort schon zu den Stammgästen zählen.

Zu diesem Zeitpunkt war die „Bürgerbus-Truppe“ längst zu Hause angekommen. Nach der für alle sehr anstrengenden Fahrt erreichten wir nach 22 Stunden Fahrt, gegen 10.45 Uhr sehr erschöpft und müde, aber doch gesund und glücklich Stadtlauringen. Zum Abladen des Anhängers waren ein paar Helfer gekommen. Doch zuerst mussten 450 kg Windeln abgeladen werden, die wegen der Panne leider nicht ein Rumänien angekommen sind. Mit vereinten Kräften konnten wir dann unseren Anhänger abladen. Dankbar verabschiedeten wir uns von unserem rumänischen Chauffeur und wünschten ihm eine gute Weiterfahrt. Er wollte nach ein paar Stunden Schlaf weiter zu Verwandten Richtung Belgien fahren und dort ein zwei Tage bleiben. Auf dem Heimweg hatte er vor, ein Elektroauto aus Holland mit nach Rumänien zu nehmen.

Sonntag, 28.9. – Alle gut zu Hause angekommen

Unsere vier Lkw-Fahrer erreichten mit den Fahrzeugen gegen Abend wohlbehalten ihre Heimatorte. Als letztes kam der Bürgerbus am 14. Oktober in Stadtlauringen an. Er wurde wie geplant vom ADAC zu einer Werkstatt in Stadtlauringen gebracht und soll dort repariert werden.

Montag, 29.9. – Fahrt in die Ukraine

Nun noch einmal zurück nach Oituz in Rumänien: Wie schon erwähnt verbrachte Matthias Schmitt noch eine Woche in Rumänien um sich das Land aus der touristischen Perspektive anzusehen. Von Corneliu Bulai, dem Leiter des Kolpinghauses in Oituz, wurde er eingeladen beim ersten Transport der von uns gelieferten Spendengüter in die Ukraine dabei zu sein.

Hier der Bericht von Matthias: Um 4.15 Uhr am Morgen holte mich Corneliu mit dem mit Spendengütern vollgepackten Kolping-Bus an meiner Unterkunft ab. In der Dunkelheit ging es bei Regen und dementsprechend schlechter Sicht, anfangs über Nebenstraßen ohne Leitpfosten in Richtung Ukraine. Gegen 8.20 Uhr erreichten wir die rumänisch-ukrainische Grenze und reihten uns in die Warteschlange ein. Nachdem die Reisepässe gestempelt waren und Corneliu den „Papierkram“ erledigt hatte überquerten wir gegen 9.30 Uhr die Grenze in die Ukraine. Zuvor trafen wir an der Grenze auf Ana-Maria, eine rumänische Angestellte der Johanniter welche auch mit Corneliu gut bekannt ist - die Helfer kennen sich... Die Johanniter unterhalten in Siret, der Grenzstadt auf rumänischer Seite ein großes Lager und bringen täglich mit mehreren Fahrzeugen Hilfsgüter in die Ukraine. Vor Ort sind Freiwillige aus der ganzen Welt im Einsatz; teils für mehrere Wochen.

Nach knapp 40 Minuten Fahrt durch die Ukraine erreichten wir das Zentrum von Kolping in Czernowitz, nahe der Innenstadt. Czernowitz ist eine Stadt mit ca. 250.000 Einwohnern. Zeitweise beherbergten sie dort bis zu 100.000 Binnenflüchtlinge aus der Ostukraine. Nach kurzer Begrüßung u.a. durch Vasyl Savka dem Geschäftsführer von Kolping Ukraine machten wir uns gemeinsam mit einigen Helfern an das Ausladen des Minibusses. So kamen nebst anderen Hilfsgütern auch erste Hilfsgüter aus Stadtlauringen, die wir vor einer Woche angeliefert hatten, nach Czernowitz. Anschließend machten sich Corneliu, ich sowie Ludwig Markuljak mit einigen großen Behältnissen mit Mittagessen, welche in der Suppenküche von Kolping zubereitet wurden, auf dem Weg zu zwei Krankenhäusern. Diese werden mit dieser täglichen Essenslieferung unterstützt bzw. entlastet. Ludwig ist pensionierter ukrainischer Berufsschuldirektor, spricht sehr gut Deutsch und ist Vorsitzender der Kolpingsfamilie in Czernowitz. Er hilft wo er kann und eine seiner täglichen Aufgaben ist das Ausfahren der Essensbehälter.

Zuerst besuchten wir ein Krankenhaus in dem verwundete Soldaten behandelt werden, bzw. ihre Reha absolvieren bevor es für die meisten wieder zurück an die Front geht. Nachdem wir die Suppe in die Krankenhausküche gebracht haben wurden wir vom Krankenhausdirektor, welcher selbst an der Front tätig war, sowie einer Angestellten, die auch für Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist begrüßt. Wir wurden ca. 30 Minuten durch die neu gebaute, auf dem neuesten Stand der Technik und mit modernsten Gerätschaften ausgestattete Reha-Abteilung geführt. Die angestellten Ärzte, Pfleger, Physiotherapeuten und anwesende Reha-Patienten erklärten und zeigten die Einrichtung. Am Ende besuchten wir noch die psychosoziale Beratungsstelle für die Patienten und konnten Fragen stellen. Corneliu und Ludwig bestätigten bei der Weiterfahrt, dass sich nicht alle Teile der Klinik in diesem modernen Zustand befinden. Insbesondere die Patientenzimmer sind wohl in die Jahre gekommen. Laut Klinikdirektor stehen aber in naher Zukunft weitere Modernisierungen der Klinik an.

Umso erschreckender war der Zustand der zweiten Klinik welche wir anfuhren. Es handelte sich um eine Art „Lungenfachklinik“ in der auch an Tuberkulose erkrankte Personen behandelt werden. Bereits von außen machte die Klinik einen total maroden Eindruck, das Mauerwerk rissig, der Putz abgebröckelt, Wasserschäden, das Umfeld total vergammelt. Mitten auf dem Hof stand eine Art uralter Krankenwagen mit Moosbewuchs welcher sicherlich seit etlichen Jahren nicht mehr bewegt wurde. Wir besuchten ausschließlich den im Keller befindlichen Küchentrakt des Krankenhauses und lieferten die Essensbehälter ab. Die Küche des Krankenhauses war marode, viele Dinge waren nur notdürftig, falls überhaupt, Instand gesetzt. Die wenigstens Geräte dürften noch gut zum Kochen geeignet sein. Im Boden des Flurs und in Nebenräumen klafften notdürftig mit Holzplatten und Gummimatten kaschierte Löcher, das Geschirr wird in einer gammligen Badewanne im Nebenraum der Küche gereinigt. Die komplette Einrichtung stammt noch aus Sowjetzeiten und ganz offensichtlich wurde seitdem auch nichts mehr groß investiert bzw. renoviert oder erneuert. Wenn man sich im Internet befindliche Fotos betrachtet scheint es auf den Patientenzimmern noch schlimmer auszusehen.

Nach diesem, eher trostlosen Abstecher besuchten wir Larissa. Larissa ist die Frau von Ludwig, und Vizedekanin und Dozentin an der Universität Czernowitz. Ihre Fächer sind Philosophie und Theologie. Dank ihr konnten wir Teile der Universität von innen und außen besichtigen – welch ein Kontrast zur vorigen Lungenklinik. Die prächtigen, reichhaltig ausgestatteten Universitätsgebäude mit schönem Garten und eigener Kirche erinnern an den Glanz englischer Universitäten wie Oxford oder Cambridge.

Leider regnete es schon den ganzen Tag und nun wurde der Regen heftiger. Deswegen und aus Zeitgründen konnte die anschließende Stadtbesichtigung mit dem Auto größtenteils nur mit einem Blick aus dem Auto heraus erfolgen. Die Innenstadt von Czernowitz ist gesäumt von prächtigen Gebäuden wie man sie in ähnlicher Bauart auch in Wien und Budapest vorfindet – kein Wunder, bis 1918 gehörte Czernowitz als östlicher Außenposten zur Doppelmonarchie Österreich-Ungarn. Das Stadttheater in Czernowitz ist nahezu 100% baugleich mit dem Stadttheater in Fürth. Die Baupläne für das Theater in Czernowitz waren bereits vorhanden als Czernowitz das Geld ausging. So wurden die vorhandenen Pläne kurzerhand in Fürth umgesetzt und als Czernowitz das Theater finanzieren konnte wurde das Theater 1905 identisch zum Theater in Fürth wie ursprünglich vorgesehen gebaut. Während der Rundfahrt kamen wir auch an einem großen Platz mit riesigen, in den Farben der Ukraine blau-gelb gehaltenen, Wandmalereien vorbei. Hier wird den gefallenen Soldaten gedacht welche aus Czernowitz stammen. Ansonsten erinnerte wenig an den Krieg der hier im Südwesten der Ukraine weit entfernt zu sein scheint.

Zurück am Kolpingzentrum besuchten wir die benachbarte Suppenküche von Kolping. Hier werden täglich ca. 500 Essen gekocht – u.a. für die Krankenhäuser oder für Binnenflüchtlinge welche sich das Essen tagtäglich vor Ort abholen. Wir konnten mit einigen dieser Menschen sprechen – Ludwig übersetzte. Sie stammen aus Orten an der Frontlinie oder aus von Russland besetzten Gebieten. Viele mussten schnell flüchten und ihre Habseligkeiten zurücklassen, von Anderen wurden die Häuser und Wohnungen zerstört. Nun leben sie mehr schlecht als recht im bisher relativ sicheren Südwesten der Ukraine, vom Staat ist kaum Hilfe zu erwarten. Die vielfach älteren Menschen müssen schauen wie sie ihre Miete bezahlen können sofern sie nicht in Flüchtlingsunterkünften leben. Im Büro von Kolping aßen Corneliu, Vasyl, Ludwig und ich zu Mittag und unterhielten uns über diverse Dinge. Es gab das „Tagesgericht aus der Suppenküche“. Traditionelle, in weiten Teilen Osteuropas populäre Buchweizengrütze und Erbsensuppe - dazu ein Hähnchenschenkel oder alternativ optisch eine Art Schnitzel - pürierte Innereien vermischt mit Gemüse und gebraten wie ein Schnitzel. Ich habe mich für Hähnchenschenkel entschieden. Nach dem späten Mittagessen verabschiedeten wir uns von Vasyl und Ludwig und machten uns auf den 290 Kilometer langen Rückweg. Auf dem Weg zur Grenze passierten wir einen Checkpoint. Laut Corneliu wird hier geschaut wer in den Fahrzeugen zur Grenze sitzt – v.a.. junge Männer werden kontrolliert. Wir wurden allerdings nicht angehalten; evtl. dank des rumänischen Kennzeichens.

An der Grenze verbrachten wir leider knapp zwei Stunden. Auf ukrainischer Seite musste „Papierkram“ erledigt werden inkl. Ausreisestempel in den Reisepass. Die Fahrzeuginsassen wurden kurz überprüft, ich wurde scherzhaft von einem Beamten gefragt ob ich eine „Kalaschnikow“ bei mir hätte … Auf rumänischer Seite wurden die (wenigen) Fahrzeuge extrem langsam abgefertigt. Wir wurden von dortigen Grenzbeamten gefragt ob wir auch etwas für Rumänien anliefern? Für mich ein Zeichen, dass nicht alle Beamten vor Ort mit den Hilfslieferungen in die Ukraine einverstanden sind. Nach zwei Stunden Grenzaufenthalt und vier Stunden Rückfahrt kamen wir am Abend um 20.15 Uhr nach über 16 Stunden wieder in Oituz an. Mit Unterstützung anderer Hilfsorganisationen brachte Corneliu in den Folgewochen noch ungefähr sieben Fahrzeugladungen unserer Spendengüter in die Ukraine. Für mich werden die Eindrücke dieser Fahrt lange in Erinnerung bleiben.

Unser Transport wurde durch das Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales finanziell unterstützt.

Wir sagen allen Spendern und Helfern, vor allem dem Markt Stadtlauringen ein herzliches Dankeschön für die großartige Unterstützung!

Werner Steinruck, Matthias Schmitt
Arbeitskreis Rumänien
der Kolpingsfamilie Stadtlauringen