Mit leichtem Gepäck unterwegs – Kolping auf Landeswallfahrt nach Freising
Schon früh am Morgen setzte sich der Würzburger Bus Richtung Freising in Bewegung. In Königshofen, Hösbach, Lohr und Werneck stiegen nach und nach mehr als 50 Kolpinggeschwister des Diözesanverbands Würzburg zu. Begleitet wurde die Gruppe von Diözesanpräses Jens Johanni und Maria Adams, Geistliche Leiterin von Kolping Deutschland.
Dass die Fahrt mehr als ein gemeinsamer Ausflug werden sollte, war bereits im Bus zu spüren: Mit Gebet und Gesang aus dem Pilgerheft begann die Wallfahrt schon unterwegs. Gleichzeitig blieb viel Zeit für Gespräche, das Wiedersehen mit bekannten Gesichtern und neue Begegnungen.
Gemeinsam auf den Domberg
In Freising angekommen, versammelte sich auf dem Marienplatz die große Kolpinggemeinschaft aus ganz Bayern. Bei der Begrüßung und der gemeinsamen Statio wurde deutlich: An diesem Tag waren nicht einzelne Kolpingsfamilien oder Diözesanverbände unterwegs, sondern eine große Gemeinschaft. Unter dem Motto „Unterwegs mit leichtem Gepäck“ setzte sich anschließend der beeindruckende Bannerzug in Bewegung. Mehr als 150 Trägerinnen und Träger der Banner von Kolpingsfamilien und Diözesanverbänden gingen vorneweg den Domberg hinauf. Es war ein beeindruckendes Bild und zugleich ein sichtbares Zeichen dafür, wie vielfältig und lebendig Kolping in Bayern ist.
Im voll besetzten Freisinger Dom folgte der Höhepunkt der Landeswallfahrt: der Festgottesdienst mit Erzbischof Reinhard Kardinal Marx. Gemeinsam mit rund 1.500 Kolpinggeschwistern aus den sieben bayerischen Diözesen feierten die Würzburger Pilgerinnen und Pilger einen bewegenden Gottesdienst. Kardinal Marx dankte den Kolpingmitgliedern für ihr Engagement in Kirche und Gesellschaft. Die aktiven Katholikinnen und Katholiken aus den Kolpingsfamilien seien in ihrem Umfeld unverzichtbar.
Was gehört wirklich ins Gepäck des Lebens?
Das Motto der Wallfahrt zog sich wie ein roter Faden durch den Gottesdienst. Zwei „Wanderinnen“ mit einem großen und einem kleinen Rucksack machten anschaulich, dass es sich lohnt, beim Lebensgepäck genauer hinzuschauen: Was brauche ich wirklich – und worauf kann ich getrost verzichten? Gottvertrauen, Freude, Begeisterung und Glaube brauchen keinen Platz im Rucksack und können dennoch in schwierigen Situationen viel Kraft geben.
Auch Kardinal Marx griff das Bild auf: „Wir nehmen alle viel zu viel Gepäck mit im Leben. Was brauche ich wirklich? Eine Gemeinschaft, Helfer, ein Ziel und ein Herz, das offen ist“, so Kardinal Reinhard Marx zu Beginn seiner Predigt. Einerseits wünsche sich jeder Mensch ein „Dahoam“, ein Zuhause, an dem man Wurzeln schlagen könne. Zugleich müsse jeder Mensch unterwegs bleiben, denn jedes Lebensjahr bringe neue Herausforderungen mit sich. In dieser Spannung aus den Wurzeln und dem Unterwegs-Sein zähle die Neugierde auf das, was noch komme. Es gehe im Leben auch nicht in erster Linie darum, erworbenen Besitz zu verteidigen, sondern ein Segen für andere Menschen zu sein. Adolph Kolping habe genau das verstanden und immer wieder darauf hingewiesen, Ballast abzuwerfen.
Begegnungen, Gespräche und bayerische Gemütlichkeit
Nach dem Gottesdienst wurde es auf dem Domplatz gesellig. Es wurde erzählt, gelacht, Bekanntschaften wurden vertieft und neue Kontakte geknüpft. Denn eine Wallfahrt lebt nicht nur von Gebet und Gottesdienst, sondern ebenso von den Menschen, die gemeinsam unterwegs sind.
Anschließend blieb Zeit, Freising auf eigene Faust zu erkunden. In kleinen Gruppen wurde die Stadt entdeckt, gemeinsam gegessen oder einfach gemütlich zusammengesessen. Gegen 20 Uhr hieß es schließlich wieder: „Einsteigen!“ Der Bus brachte die Gruppe zum Hotel Atomis in der Nähe des Münchner Flughafens.
Am nächsten Morgen wartete bereits das nächste Highlight: die Bavaria Filmstadt. Bei einer Führung erhielten die Kolpinggeschwister spannende Einblicke hinter die Kulissen von Film und Fernsehen. Kulissen, Technik, Beleuchtung und Spezialeffekte ließen erahnen, wie viel Arbeit und Kreativität nötig sind, bis aus einzelnen Bausteinen eine beeindruckende Filmwelt entsteht.
Mit vielen Erinnerungen im Gepäck zurück
Anschließend ging es wieder Richtung Heimat. Im Gepäck waren diesmal zwar viele Eindrücke – aber vor allem auch schöne Begegnungen, neue Bekanntschaften und Erinnerungen an zwei besondere Tage. Müde, aber glücklich und zufrieden kehrten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach Würzburg zurück. Das Motto „Unterwegs mit leichtem Gepäck“ hatte dabei eine ganz eigene Bedeutung bekommen: Es geht nicht nur darum, weniger mit sich herumzutragen. Es geht darum, sich auf das Wesentliche zu besinnen – auf den Glauben, auf die Gemeinschaft und auf den Menschen neben uns.
Ein besonderer Dank gilt Busfahrer Rudi Geis, Mitglied der Kolpingsfamilie Königshofen. Er begleitete die Gruppe während der gesamten Reise sicher und zuverlässig und trug mit seiner angenehmen Art dazu bei, dass die beiden Tage entspannt und rundum gelungen verlaufen konnten.
So bleibt von der Landeswallfahrt vor allem eines: das gute Gefühl, gemeinsam unterwegs gewesen zu sein – mit leichtem Gepäck und einem Herzen voller Eindrücke.
Nicole Schönbrod








































